Huhn-und-Ei-Frage

By kraftzwaerk

Eigentlich war ich ja der Überzeugung, dass ich durch die Abschaffung eines eigenen Fernsehers auf den kommenden WG-Parties oder zu sonstigen Anlässen ganz dick punkten können würde à la

“Nenee, zum Fernsehen komme ich sowieso gar nicht..”
(Lies: “Dafür bin ich viel zu wichtig!”

oder

“Das ist mir wirklich zu blöd, das lese ich doch lieber ein Buch…”
(Lies: “Ich bin pseudointellektuell, dadurch respektabel, begehrenswert und ehrfurchtsgebietend!”)

Aber das TV-Boykottieren ist ja mittlerweile fast so populär wie das Nichtrauchen, daher zur Demonstration von Rebellentum und Individualität kaum mehr geeignet. Mist, verdammter!

Nein, mal ehrlich: Ich bin der Letzte, der dem Fernsehen seinen Nutzen zum alltäglich nötigen Gehirn-Abschalten in Abrede stellen würde. Letzteres kann ich mir aber a.a.O. genauso gut beschaffen. Demnach hat das Medium Fernsehen für mich persönlich, jenseits von gezieltem Nachrichten- oder Kraftsport-Gucken, eigentlich seinen Reiz verloren.
Trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei, beim Warten auf den Wasserkocher oder die Pizza im Ofen etwa, die kücheneigene Flimmerkiste doch anzuschalten…

…und mich jedes Mal wieder zu ärgern. Himmel, läuft da heutzutage eine sinnfreie Grütze! Der Grossteil von dem, was inbesonders auf den privaten Sendern ausgestrahlt wird, ist mittlerweile derart niveaulos, entwürdigend, hahnebüchend, wahlweise schmerzhaft alltagsnah1 oder alltagsfern2, ausgelutscht und oft genug mies geschrieben, produziert oder gespielt, als dass es nicht mal mehr zum feierabendlichen Gehirn-Abschalten genügt. Wer dann noch die Hoffnung hegt, dass der Untergang der abendländischen Kultur abzuwenden oder aufzuschieben wäre, muss sich fast zwangsläufig aufregen.

Genau das trifft auch auf mich zu. Interessant ist indes, dass meine Reaktion auf das gängige Fernsehprogramm nicht immer so ausfiel. Noch vor ein paar, vielleicht auch vor zehn Jahren war mir das Fernsehen zur Verstandesberieselung noch recht und billig, mittlerweile werfe ich mit den gerade greifbaren Küchenutensilien nach der Mattscheibe vor lauter Wut.

Was hat sich also verändert? Das Fernsehen oder der Zuschauer?

1 Fettleibigkeit, Brustvergrößerung, Riesenschnitzel, Wurstfabrik und Badezimmer fliesen.
2 Autos jenseits der 200.000€, Profifussball, Modelkarriere, “Promi-Lifestyle”

Einen Kommentar schreiben