In meiner Zeit als Mitglied bei McFit hatte ich die Gelegenheit, viele interessante Beobachtungen zu machen. Sehr wenige davon waren lehrreich, einige irritierend, die meisten amüsant. Hätte ich momentan deutlich mehr Zeit zur freien Verfügung, würde ich ein kleines Buch damit füllen.
Die (vorläufig letzte) Beobachtung, die ich aber anstellen durfte, war weder irritierend noch amüsant, sondern schlicht besorgniserregend:
Das Geschäftsmodell von McFit ist denkbar einfach, ergibt sich eigentlich schon direkt aus dem Namen. An der Qualität des Trainings wird an allen Ecken gespart, um dass Angebot möglichst günstig zu halten und dadurch viele Kunden anzuziehen. Dieser Sparkurs wirkt sich natürlich als erstes auf die Qualität der Betreuung aus, da gutes Personal teuer ist. Man möge mich hier nicht falsch verstehen: Ich erwarte keine gute Dienstleitung für wenig Geld. Dennoch: McFit versucht nun seit einiger Zeit damit gegenzusteuern, dass anstelle von kompetentem Personal interaktive Computerterminals direkt an der Trainingsfläche aufgestellt werden. An denen hat der geneigte Kunde die Möglichkeit, sich über Trainingsmethoden, Übungen, Ernährung und dergleichen zu informieren.
Nun trieb mich vor einiger Zeit die Neugier an ein solches Terminal. Fairerweise muss ich sagen, dass ich nur erwartete, meine Vorurteile bestätigt zu finden. Ich versuchte also zu ergründen, ob die Übungen grundlegenden Übungen meines Trainings in den Übungsinstruktionen überhaupt berücksichtigt würden. Das Ergebnis fiel in etwa aus wie erwartet: Während Bankdrücken wie selbstverständlich in mehreren Varianten dargestellt wird, sucht man nach Kreuzheben vergebens. (Wer jetzt geneigt ist zu entgegen: „Ja ist doch logisch, Kreuzheben ist doch auch schlecht für den Rücken!“, wende sich entweder zwecks Belehrung vertrauensvoll an mich oder stelle sich in die Ecke um sich seiner/ihrer Ignoranz zu schämen.)
Staunen musste ich aber doch, als ich sah, wie genau die computeranimierte Dame in modischer Sportbekleidung die Kniebeuge vorturnte. Zum einen führte sie in der Abwärtsbewegung ihre Knie deutlich über ihre Fußspitzen hinaus, zum anderen hielt sie gemäß der expliziten Anweisung der Übungsbeschreibung den Winkel zwischen Ober- und Unterschenkeln stets größer als 90°. Kraftdreikämpfer würden das wahrscheinlich nicht einmal eines abfälligen Kommentars für würdig befinden. Das mögen aber die Kraftdreikämpfer und die Einfach-Gut-Ausseher von McFit bei Gelegenheit und an anderem Ort unter sich ausmachen.
Mir aber flog endgültig die Hutschnur weg, als mir auf dem Touchscreen vorgeturnt wurde, dass ich bei der Kniebeuge vor mir auf den Boden zu schauen habe. Denn was tut man, wenn man mit einer Langhantel im Nacken die Knie beugt und nach unten schaut? Richtig – man neigt den Kopf nach vorn. Ob das mit einer Langhantel im Nacken wohl bestenfalls zu Nackenschmerzen führt? Ich möchte es nicht ausprobieren.
Ich möchte aber eindringlichst behaupten, dass das Beugen der Knie mit einem schweren Gewicht im Nacken bei zu großer Vorlage durch falsche Kopfhaltung zu ernsthaften Verletzungen der Wirbelsäule führen kann! Ob es letztlich die Hals- oder die Lendenwirbel sind, die geschädigt werden, bleibt dann allein dem Zufall überlassen.
Himmel, was für ein Saftladen! Das war genau der Tropfen, den es für mein volles Fass noch brauchte.
Schlagworte: kniebeuge, kreuzheben, mcfit, qualität
29. November, 2008 um 02:40
Ja, immer diese Elitisten! Wer kann denn von einem Durchschnittsbürger heutzutage noch erwarten, dass er sich wirklich damit auseinandersetzt, was er/sie (SIE?) in seiner/ihrer Freizeit über sich/sie ergehen lässt!
Das grenzt ja dahin aus, dass man sich Gedanken machen, ja sogar selbst für sich verantworlich sein muss! Nein, das geht nicht. Ich denke, dass McFit das schon richtig ausbaldowert hat und es auf gar KEINEN Fall eine Verpflichtung sich selbst gegenüber gibt.
Wo kommen wir denn DAHIN?! Menschen, die für sich selbst denken und HANDELN können?
Hochachtungsvoll,
Ronald McDonal! *g*