Ich liebe es einfach, wenn mir jemand dabei behilflich ist, diese überwältigend komplexe Graustufenwelt in der ich lebe, in schwarz und weiß einzuteilen.
So erfahre ich über heise.de:
Vertreter der Musiklabels versuchen unterdessen, die Öffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen: „Dieser extrem detaillierte Fall wird die versteckten Abläufe hinter der Pirate Bay offenlegen“, versicherte Verbandssprecher Jo Oliver der Londoner Times.
Der Clou ist: Das ist Brandstiftung, Hetze und Propaganda der schlimmsten, weil beleidigendsten (weil durchschaubarsten) Art: Das „extrem detailliert“ klärt die Öffentlichkeit darüber auf, dass sie im Zweifelsfalle sowieso zu blöd ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, während durch „versteckte Abläufe“ der Eindruck zwielichtiger Machenschaften erweckt wird.
Dumm nur, dass es bei thepiratebay.org überhaupt keine versteckten Abläufe gibt: Auf den dazugehörigen schwedischen Servern liegen Informationen über urheberrechtlich geschütze Materialien, nicht die Materialien selbst (was in Schweden legal ist). So einfach und transparent ist das. Doch, so einfach! Auch an der zugrunde liegenden superkomplexen Intarweb-3.0-Nerd-O-Mat-Technik ist nichts halbmagisch-nebulöses, so dass von „extrem detailliert“ kaum noch die Rede sein kann.
Wir erinnern uns: Die Rede war von „versteckten Abläufen“.
Bequemerweise findet sich, wiederrum direkt verlinkt auf heise.de, ein Hinweis auf eben solche: Es scheint, (im Sinne von: „Die Öffentlichkeit wird nicht darüber in Kenntnis gesetzt“), als ob einer der an der Ermittlung gegen die Pirate Bay beteiligten schwedischen Polizisten zur Unzeit bei Warner Bros. angeheuert hätte. Versteckte Abläufe, indeed.
Daraus folgt für mich bei meinem jetzigen Kenntnisstand: Während sie selber im Halbdunkeln mit den polizeilichen Ermittlern herumkungelt, versucht die Musikindustrie einen Mantel aus Angst, Unsicherheit und Zweifel über die Pirate Bay zu verbreiten. Pirate Bay gut, Musikindustrie böse.
Aber ich will ja nicht nur unkonstruktiv herumnörgeln. Daher möchte ich etwaige Unsicherheiten und Zweifel an dieser Stelle etwas mildern: Momentan (17.02.2009 18:12 Uhr) sind es ~1,68 Millionen „versteckte Abläufe“ (hier: Torrents) an denen sich ~11,43 Millionen noch zu kriminalisierende Benutzer beteiligen. Die genauen Zahlen sind aktuell auf der Startseite der Pirate Bay einsehbar.