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Schlank und stark und fit und überhaupt!

13. Januar, 2009

Was ist das bitte überhaupt für ein schwachsinniger Schrotschuss-Journalismus, der sich hierzulande immer dreister ausbreitet? Der Stern blökt „Schlank, stark und fit“, der Fokus titelt „Das große Ernährungspecial: Welcher Esstyp bin ich?“.

Der Stern-Titel ist hier aber das eigentliche Sahnebonbon: Schlank wollen ja die Frauen sein, stark die Männer, während von den Verbleibenden niemand, direkt heraus gefragt, verneinen würde, dass er/sie gerne „fit“ wäre. Sowas informiert! Sowas polarisiert! Da wird es richtig licht im Dunkeln!

Nun gut, dass sich die großen drei bundesdeutschen Wochenmagazine bald nur zur Hinternhygiene eignen werden, ist nicht neu. Neu wäre es für mich aber, wenn jemand eine plausible, starke Korrelation zwischen „stark“ und „schlank“ gefunden hätte, deren Existenz immer und immer und immer wieder von den Medien, hier vom Stern, suggeriert wird.

Den Beobachtungen zufolge, die ich bis heute anstellen konnte, verhält es sich nämlich vielmehr so: Mit zunehmender, unzweideutig als solcher erkennbarer und messbarer Körperkraft eines Menschen wird er/sie eher „dick“ als „schlank“! Ein paar Beispiele:

  1. Matthias Steiner
  2. Teilnehmer diverser Strongman-Wettkämpfe, besonders anschaulich dieser junge Mann.
  3. Selbst wenn man sich dazu durchringen kann, Bodybuilder als „stark“ hinzustellen, sollte man wenigstens einmal deren Physis innerhalb und außerhalb der Wettkampf-Saison verglichen haben.

Aber die ganz schlauen Füchse werden sich schon gedacht haben, worum es hier letzlich geht: Eigentlich geht es mir nämlich nur darum, meinen BMI von 33,4 zu rechtfertigen und mich vor der Diät zu drücken! Richtig!

…nicht! Noch mal in aller Deutlichkeit von jemandem, der viel Zeit, Geld, Kraft und Hirnschmalz in das Thema investiert hat, für alle anderen zum mitschreiben:

Wer wirklich stark sein will, kann gleichzeitig nicht schlank sein!

Erklärbär

6. Januar, 2009

Schön ist ja, wenn die mühsam angeeignete Theorie im direkt folgenden Schritt auf die Praxis bezogen werden kann. Noch schöner ist es aber, Theorie und Praxis für sich allein oder gar den Bezug zwischen beiden _erklären_ zu können. Ein (von mir ganz fadenscheinig als willkürlich deklariertes) Beispiel:

Man stelle sich vor, man habe ein Referat über die Digitalisierung des deutschen TV-Angebotes zu halten. In der Vorbereitungsphase kristallisiert sich nun heraus, dass vielen potenziellen Nutzern des digitalen Fernsehens die damit verbundenen Vorteile schlichtweg nicht bekannt sind. Natürlich findet man bereits währenddessen den obligatorischen Rattenschwanz an Folgeproblemen respektive möglichen Ursachen.
Wird der Studentenalltag jetzt gewissenhaft fortgeführt, folgt nun das Verinnerlichen des just Aufgenommenen, im Vorzeigefall abgerundet durch einen Gedankengang entlang von „Soso, aha, sehr interessant!“.

Nichtsdestotrotz behält das gerade Geleistete einen schalen Beigeschmack: Das hat man selbst, die Adressaten des Referats sowieso, doch spätestens in einer Woche vergessen!?

Es stellt sich aber heraus, dass es nicht Not tut, jetzt zu verzagen! Denn es präsentiert sich ganz glasklar eine praktisches Beispiel für ein bis gerade noch rein theoretisches Problem: Hat man nicht selbst erst vor Kurzem herausgefunden, dass die Digitalisierung des terrestrischen Fernsehens einen gänzlich unerwarteten Mehrwert für das persönliche Fernseherlebnis bietet?
Doch, tatsächlich: Durch Datenkompression lassen sich gleich eine ganze handvoll digitale Fernsehsender dort übertragen, wo sonst nur ein einziger analoger Platz fand! Man schlussfolgerte also korrekt, dass die optimierte Übertragung von Fernsehsignalen auch den Empfang begünstigen müsste und, tatsächlich, mit einem einfachen, einzelnen DVB-T-Stick kann man bestenfalls sechs Fernsehsender gleichzeitig betrachten/aufnehmen!

Jetzt keimt auch wieder die Hoffnung auf, dass man selbst den technophobischsten der sozialwissenschaftlichen Kommiliton(inn)en ein wenig Resignation angesichts des nächsten powerpointfaschistischen Pflichtreferates wird nehmen können…

…und siehe da: Wahrhaftig wird man durch aufmerksam lauschende und zaghaft komplimentierende Referatshörer(innen) belohnt! Ganz zu schweigen von der Gewissheit, die Halbwertszeit des Angeeigneten Wissens vervielfacht zu haben. Alles nur dank eines kleinen Beispiels mit großer Erklärungsleistung.

Mir aber bleibt die Gewissheit, dass sich wieder ein Puzzleteil mehr in das Bild gefügt hat…