Archiv für die Kategorie ‘Unfug’

Immer die Falschen!

15. Januar, 2009

Schon den neuen T-Home-Werbespot im Fernsehen gesehen? Den für digitales, zeitversetztes Fernsehen und DRM-Film- und Musikverleih und den ganzen anderen digitalen Mehrwert? Hat auch einen gänzlich durchgestylten, pseudo-sinnlichen Soundtrack, den man sich kostenlos bei T-Home runterladen kann! Geil, oder? Nicht geil? Doch! Da braucht man sich doch nur die beiden Knutschenden auf der T-Home-Startseite anzugucken!

Aber es ist doch gänzlich rührend, wenn sich junge, gestresste Menschen abends dank T-Home und seinem zeitversetztem Fernsehen wieder öfter näher kommen können? Wer würde denn bei der Gelegenheit anfangen, sich über die immens biedere und blöde deutsche Fernsehwerbung auszulassen oder an den mafiösen Geschäftspraktiken von T-Com1 / T-Online2 / T-Mobile3 / T-Home4 herumkritteln?

Klar, meiner einer wäre so unromantisch. Verzichtet aber darauf, weil es eine viel erschreckendere,  langfristige Folgeerscheinung anzuprangern gilt:

Diejenigen, die ihren Intimitätenaustausch prä-T-Home zugunsten der privaten Fernsehsender haben ausfallen lassen, werden sich künftig wieder verstärkt fortpflanzen!

1 Gebt!
2 Uns!
3 Euren!
4 Zaster!

Schlank und stark und fit und überhaupt!

13. Januar, 2009

Was ist das bitte überhaupt für ein schwachsinniger Schrotschuss-Journalismus, der sich hierzulande immer dreister ausbreitet? Der Stern blökt „Schlank, stark und fit“, der Fokus titelt „Das große Ernährungspecial: Welcher Esstyp bin ich?“.

Der Stern-Titel ist hier aber das eigentliche Sahnebonbon: Schlank wollen ja die Frauen sein, stark die Männer, während von den Verbleibenden niemand, direkt heraus gefragt, verneinen würde, dass er/sie gerne „fit“ wäre. Sowas informiert! Sowas polarisiert! Da wird es richtig licht im Dunkeln!

Nun gut, dass sich die großen drei bundesdeutschen Wochenmagazine bald nur zur Hinternhygiene eignen werden, ist nicht neu. Neu wäre es für mich aber, wenn jemand eine plausible, starke Korrelation zwischen „stark“ und „schlank“ gefunden hätte, deren Existenz immer und immer und immer wieder von den Medien, hier vom Stern, suggeriert wird.

Den Beobachtungen zufolge, die ich bis heute anstellen konnte, verhält es sich nämlich vielmehr so: Mit zunehmender, unzweideutig als solcher erkennbarer und messbarer Körperkraft eines Menschen wird er/sie eher „dick“ als „schlank“! Ein paar Beispiele:

  1. Matthias Steiner
  2. Teilnehmer diverser Strongman-Wettkämpfe, besonders anschaulich dieser junge Mann.
  3. Selbst wenn man sich dazu durchringen kann, Bodybuilder als „stark“ hinzustellen, sollte man wenigstens einmal deren Physis innerhalb und außerhalb der Wettkampf-Saison verglichen haben.

Aber die ganz schlauen Füchse werden sich schon gedacht haben, worum es hier letzlich geht: Eigentlich geht es mir nämlich nur darum, meinen BMI von 33,4 zu rechtfertigen und mich vor der Diät zu drücken! Richtig!

…nicht! Noch mal in aller Deutlichkeit von jemandem, der viel Zeit, Geld, Kraft und Hirnschmalz in das Thema investiert hat, für alle anderen zum mitschreiben:

Wer wirklich stark sein will, kann gleichzeitig nicht schlank sein!

Ti**en! Fraß! Hitler!

12. November, 2008

Im einem vorigen Post fragte ich abschließend, ob sich in den letzten Jahren vornehmlich das Fernsehprogramm oder eher das Fernsehpublikum verändert hat. Wer die zugrundeliegende Beobachtung meinerseits nicht nachvollziehbar findet, dem schlage ich folgende Veranschaulichung vor:
Beim nächsten ziellosen Zappen durch die Kanäle einfach mal immer dann lauthals und ungehemmt „Ti**en!“, „Fraß!“ oder „Hitler!“ ausrufen, wenn die laufende Sendung auf dem gerade erreichten Kanal eines dieser Themen auf eine Art und Weise darstellt, die offensichtlich die Information des Zuschauers zugunsten der Unterhaltung1 sträflich vernachlässigt.

Allein an der zuerst irritierten, später entnervten Reaktion der Mitbewohner/Familienmitglieder/Freunde in Hörweite wird dann garantiert deutlich, wovon ich spreche.
(Erfreulich wäre es zu guter Letzt doch, wenn man daraus ein feucht-fröhliches Trinkspiel ableiten könnte. Vorschläge dazu sind in den Kommentaren sehr gern gesehen!)

Terry Pratchett hat seinen Lord Vetinari einmal in diesem Zusammenhang an den Gründer der ersten Zeitung der Scheibenwelt folgende Worte richten lassen:

„People like to be told what they already know. Remember that. They get uncomfortable when you tell them new things. New things … well, new things aren’t what they expect. They like to know that, say, a dog will bite a man. That is what dogs do. They don’t want to know that a man bites a dog, because the world is not supposed to happen like that. In short, what people think they want is news, but what they really crave is olds.“

1 neudeutsch „Entertainment“, in den übleren Fällen auch mal „Edutainment“